Kommunalwahl
Riesen-Wahlerfolg für kleine Gruppe

Aufgabe

Nach einschneidenden personellen Veränderungen (erfahrene Protagonisten wollten sich aus der aktiven Kommunalpolitik zurückziehen) wollte eine kleine freie Wählergruppe sich zur Kommunalwahl in einer Landeshaupstadt neu aufstellen. Es gab keinen Spitzenkandidaten, aber ein hochmotiviertes Kernteam aus etwa 15 Personen, die alle für den Stadtrat kandidieren wollten. Es herrschte eine sehr offene, respektvolle Diskussionskultur und in kommunalen Sachfragen ein breites Meinungsspektrum. Ein Grundsatzprogramm gab es nicht.

Lösung

In zwei halbtägigen Workshops wurden mit den Kandidaten zunächst Werte, Motivatoren und Einstellungen erarbeitet. Im zweiten Schritt wurden dann Zielgruppen ermittelt, für die die eigene Positionen ein attraktives Angebot sein könnten. Für eine freie Wählergruppe lag eine Positionerung als bürgerliche Alternative zum parteiengesteuerten Politikbetrieb nahe.

Die zentrale Idee bestand dann nicht in der Definition eines Ziels in Prozenten, sondern in der Vision, innerhalb von 10 Jahren (sprich: bei der übernächsten Wahl) zur stärksten Kraft im bürgerlichen Lager der Stadt zu werden. Damit war ein Rahmen gesteckt, der der Gruppe entsprach (authentisch), dabei gleichzeitig herausfordernd war und im Rahmen des Möglichen lag. Die Kriterien einer erfolgversprechenden Strategie waren erfüllt.

Aus der Kandidatengruppe wurde ein "Wahlkampf-Team", das sich in regelmäßigen Treffen austauschte. In einem offenen Verfahren wurde ein Wahlprogramm entwickelt, das auf ein 10-Punkte-Programm für die Stadt für jedermann verständlich verdichtet wurde. Das besondere Potenzial der Gruppierung lag in ihren Kandidaten. Es handelte sich durchweg um offene, intelligente, integre und sympathische Menschen. Die meisten waren gesellschaftlich engagiert, besaßen jedoch kaum Erfahrungen im Politikbetrieb. Diese vermeintliche Schwäche wurde durch eine Strategie gewendet, die genau diesen Umstand in den Vordergrund stellte.

Jede Kandidatin und jeder Kandidat wurde einzeln interviewt und in hoher Qualität in privater Umgebung fotografiert. Im Rahmen eines komplett neuen Erscheinungsbildes der Gruppierung wurde zunächst jede bzw. jeder auf der Website auf einer einzelnen Seite präsentiert. Auch später auf den Wahlplakaten und in Flyern standen immer die Gesichter im Vordergrund.

Ergebnis

Bei der Wahl wurde das mit Abstand beste Ergebnis erzielt, dass die seit mehr als 20 Jahren bestehende Gruppierung je erreicht hatte. Sie erreichte den zweithöchsten absoluten Zuwachs aller Wettbewerber und ließ Parteien wie die AfD und FDP deutlich hinter sich. Der relative Zuwachs zur vorangegangenen Wahl betrug 84%.

Aufwand

Zwei konzentrierte Briefinggespräche
Zwei halbtägige Strategie-Workshops
Strategieentwicklung
Konzeption von Erscheinungsbild, Kernaussagen, Slogans und Medienstrategie

Kommunal-/Bürgermeisterwahlen
Eine mutige Strategie zahlt sich aus

Aufgabe

Die norddeutsche Kleinstadt war früher einmal eine ihrer Hochburgen gewesen, bei der letzten Wahl hatte die Partei jedoch bei den Stadtratswahlen nur knapp 9% der Stimmen auf sich vereinigen können. Nun stand die nächste Kommunalwahl an und es wurde eine Strategie gebraucht.

Lösung

Gewählt wurde eine mutige (die ganz Schlauen meinten seinerzeit auch "absurde") Strategie: Die Partei sollte ihren stärksten Kandidaten als Bewerber für das Bürgermeisteramt positionieren. Dafür gab es gute Gründe: Erstens gab es dafür eine geeignete Person. Zweitens wurde damit deutlich gemacht, dass man nicht gewillt war, sich mit der Position einer Randgruppe im Stadtrat abzufinden. Diese Potenziale wurden, obwohl offensichtlich, jedoch erst einmal nicht als solche erkannt: Die 9% verengten den Blick auf die Situation.

Der interne Widerstand war bei allen Beteiligten entsprechend hoch (inklusive des Spitzenkandidaten selbst: "Platz 1 auf der Liste? Klar! Aber Bürgermeisterkandidat? Nicht doch!") nicht eben gering. Als bodenständige Norddeutsche war ihnen diese Strategie zu vermessen und sie befürchteten, sich lächerlich zu machen. Dazu bestand jedoch kein Anlass, der Kandidat war ein integrer, beliebter und zudem gut aussehender Mann, der der Partei durch sein persönliches Auftreten und in den Medien ein sympathisches, junges und dabei auch etwas unkonventionelles Gesicht gab. Im nächsten Schritt wurde in einem parteioffenen Workshop ein umfassendes, fundiertes Wahlprogramm entworfen, das alle Aspekte der Stadt und ihrer umliegenden ländlichen Gemeinden berücksichtigte. Mit großem Engagement wurde die Kampagne dann schließlich umgesetzt.

Ergebnis

Bei der Wahl verdoppelte die Partei die Zahl ihrer Sitze, ihr Stimmenanteil betrug jetzt 18,5%. Damit war sie drittstärkste Kraft. Einem größeren Koalitionspartner fehlte geeignetes Personal für das Amt und so geschah es tatsächlich, dass der Kandidat Bürgermeister wurde.

Fünf Jahre später standen dann Wahlen zum Stadtrat und zum hauptamtlichen Bürgermeister an. Die Strategie dazu wurde ebenfalls von uns entwickelt. Ergebnis: Die Partei erhöhte ihren Anteil noch einmal auf 23,8 % und sie wurde zur zweitstärksten Kraft. Der Bürgermeister wurde mit mehr als 70% der Stimmen nunmehr als hauptamtlicher bestätigt. Der etwas unfreiwillige Kandidat hatte sich als großer Glücksfall für die mittlerweile prosperierende Gemeinde erwiesen, er wurde 2014 noch einmal mit mehr als 70% im Amt bestätigt.

Aufwand

Drei konzentrierte Briefinggespräche
Strategieentwicklung
Konzeption und Durchführung eines halbtägigen Workshops
Kampagnenkonzeption: Erscheinungsbild, Kernaussagen, Slogans und Medienstrategie
Wahlkampfmanagement

Bürgermeister-Stichwahl
Sieg aus (fast) aussichtsloser Position

Aufgabe

Völlig überraschend kam es bei der Wahl zum hauptamtlichen Bürgermeister einer norddeutschen Kleinstadt zu einer Stichwahl zwischen dem Kandidaten der Mehrheitspartei im Rathaus und einem unabhängigen Bewerber.

Umso verblüffender war dieser Ausgang, als die Mehrheitspartei bei der parallel ausgetragenen Wahl des Gemeinderates wie üblich mehr als 86% der Stimmen geholt hatte.
Was war geschehen? Die Mehrheitspartei hatte angesichts ihrer drückenden Überlegenheit bei der Kandidatennominierung jeden Anschein von Klüngel vermeiden wollen. Die Kandidatur war ausgeschrieben worden und in einem demokratischen Verfahren entschied man sich für einen Verwaltungsprofi aus einer anderen Gemeinde. Bei diesem Verfahren schieden auch mehrere ortsansässige Bewerber aus.

Im ersten Wahlgang bekam dann ein ortsansässiger, unabhängiger Bewerber nur ganze 5 Stimmen weniger als der Mehrheits-Kandidat, beide erreichten damit knapp 46% der Stimmen für sich. Ein dritter Bewerber bekam 8%.

Der Wahlausgang war eine Sensation, für den Goliath erschien es jetzt so gut wie aussichtslos, die Stichwahl gegen den kleinen David zu gewinnen, der jetzt mit noch mehr Sympathien als im ersten Wahlgang rechnen konnte.

Wie kann der Kandidat der Mehrheitspartei die Stichwahl trotzdem noch für sich entscheiden? Es blieben knapp 10 Tage für Strategie und Umsetzung, um die vertrackte Situation zu drehen.

Lösung

Schnell wurde klar, dass der Einzelbewerber zahlreiche Unterstützer bis in den engeren Kreis der Mehrheitspartei hatte.

Die passende Strategie stand innerhalb von einem Tag: Der Kandidat selbst wurde völlig aus dem Fokus genommen und die Sache wurde zu einer Parteiangelegenheit gemacht. Die Botschaft an die Wähler lautete: "Die Partei hat über 60 Jahre für Euren Wohlstand und Euer Wohlergehen gesorgt (es handelte sich um eine kleine, aber wirtschaftlich erfolgreiche und ungewöhnlich wohlhabende Gemeinde). Jetzt brauchen wir Eure Unterstützung, damit unsere Gemeinde von einem Profi in die Zukunft geführt wird. Bitte helft uns jetzt!"
Schnell wurde eine PR-Kampagne mit prominenten Unterstützern sowie eine Anzeigenkampagne gestartet. Darüber hinaus wurde mit der Botschaft intensiv Häuserwahlkampf betrieben.

Die Kampagne startete dann nach drei Tagen der ersten Woche. Es blieben noch 10 Tage bis zum Wahltag.

Ergebnis

Das Kalkül, ausschließlich auf die Verbundenheit der Wähler mit der Mehrheitspartei zu setzen, ging auf. Am Ende betrug der Unterschied ganze 51 Stimmen. 50,4 standen 49,6% gegenüber. Der Kandidat der Mehrheitspartei wurde Bürgermeister und ist es, mittlerweile wiedergewählt, heute noch.

Aufwand

Zwei konzentrierte Briefinggespräche
Strategieentwicklung
Kampagnenkonzeption: Erscheinungsbild, Kernaussagen, Slogans und Medienstrategie